Wenn man über Salzburg spricht, dann kommt man natürlich irgendwann bei der Altstadt an.
Für Touristen ist sie ein wunderschönes Ausflugsziel, eine Ansammlung von Sehenswürdigkeiten, historischen Gebäuden, kleinen Gassen und Plätzen. Für mich war und ist sie viel mehr: Sie gehört einfach zu meiner Stadt.
Und dabei gibt es in Salzburg eigentlich zwei Seiten – herent und drent. Diese Begriffe kennt man aus dem salzburgisch-bayerischen Sprachraum und sie beschreiben sinngemäß die eine und die andere Seite.
Bei uns in Salzburg denkt man dabei natürlich auch an die beiden Seiten der Altstadt rund um die Salzach: auf der einen Seite die Getreidegasse und auf der anderen die Linzergasse.
Die Seite der Getreidegasse
Beginnen wir mit der wohl bekanntesten Ecke Salzburgs: der Getreidegasse.
Hier reiht sich Sehenswürdigkeit an Sehenswürdigkeit. Da ist natürlich das Mozarts Geburtshaus, das heute zu den bekanntesten Museen der Stadt gehört. Dann die Residenz mit ihren Prunkräumen und dem Residenzmuseum, der beeindruckende Residenzbrunnen, die Goldgasse, die Judengasse und viele kleine Gässchen, Plätze und Innenhöfe, die es zu entdecken gibt.
Und natürlich thront über allem die Festung Hohensalzburg.
Dazu kommen Kaffeehäuser, Geschäfte und all die Menschen, die täglich durch die Altstadt schlendern.
Eines darf auf dieser Seite natürlich ebenfalls nicht fehlen: das Café Tomaselli und das Café Glockenspiel und das Café Fürst. Gerade solche Namen gehören für mich genauso zu Salzburg wie die großen Sehenswürdigkeiten.
Der Grünmarkt – Salzburg zum Probieren
Auf dieser Seite befindet sich auch der Grünmarkt am Universitätsplatz, direkt vor der Kollegienkirche.
Der Markt hat eine lange Tradition und findet bereits seit 1857 statt. Von Montag bis Samstag kann man dort durch die Stände schlendern und sich mit frischem Obst und Gemüse, Brot und Gebäck, Fleisch- und Fischwaren, Käse, Mehlspeisen und vielen weiteren Köstlichkeiten eindecken.
Und genau solche Märkte machen eine Stadt für mich lebendig.
Man geht nicht einfach nur einkaufen. Man schaut, riecht, probiert vielleicht etwas, trifft Leute und bekommt ein Gefühl dafür, was in der Stadt gerade los ist.
Gerade samstags hat der Grünmarkt noch einmal ein ganz besonderes Flair, wenn sich das Marktgeschehen über den Universitätsplatz hinaus ausdehnt.
Die andere Seite: Linzergasse und Schranne
Und dann geht es auf die andere Seite.
Hier liegt die Linzergasse, und rund um die Andräkirche findet jeden Donnerstag die berühmte Schranne statt.
Die Schranne ist weit mehr als ein gewöhnlicher Wochenmarkt. Seit 1906 kommen hier Händlerinnen und Händler aus Salzburg und dem Umland zusammen. Angeboten werden regionale Lebensmittel, Blumen, Handwerk und vieles mehr.
Für viele Salzburger gehört der Donnerstag auf der Schranne einfach dazu.
Früh aufstehen, über den Markt gehen, schauen, was es gibt, vielleicht etwas einkaufen oder sich einen kleinen Imbiss gönnen – auch das ist Salzburg.
Mirabell – Garten, Zwerge und Theater
Auf dieser Seite findet man auch einen meiner persönlichen Lieblingsbereiche: Schloss Mirabell mit seinem Mirabellgarten.
Der Garten ist natürlich eine Sehenswürdigkeit für sich. Und wer Salzburg kennt, denkt dabei wahrscheinlich sofort auch an den Zwerglgarten.
Die kleinen Figuren gehören für viele Besucher einfach zu diesem Ort dazu. Und auch das Salzburger Landestheater befindet sich ganz in der Nähe.
So hat man auf relativ kleinem Raum wieder diese typische Mischung aus Geschichte, Kultur, Garten, Musik und Stadtleben, die Salzburg ausmacht.
Die Salzach – und die Salzachgalerien
Und dann ist da natürlich die Salzach.
Sie teilt die Stadt nicht wirklich – sie gehört für mich vielmehr zu dem, was Salzburg zusammenhält.
Entlang der Salzach findet auch die Salzachgalerien statt. Dort bekommt Kreativhandwerk seinen Platz: Kunst, Handgemachtes und viele verschiedene Verkaufsstände laden zum Schlendern ein.
Es ist diese Art von Veranstaltung, bei der man eigentlich gar nichts Bestimmtes kaufen wollte und am Ende trotzdem etwas entdeckt, das unbedingt mit nach Hause muss.
Und dann sind da noch die Touristen …
Natürlich gehören die Touristen zu Salzburg.
Und manchmal merkt man das als Einheimischer vielleicht gar nicht mehr so bewusst, weil man es einfach gewohnt ist. Überall Menschen, Reisegruppen, Kameras, Stadtpläne und die unterschiedlichsten Sprachen.
Aber dann kam Corona.
Plötzlich war die Stadt still.
Die Straßen waren leer, die Plätze leer, die sonst so belebte Altstadt wirkte beinahe ausgestorben. Und genau da hat man erst richtig gemerkt, wie viel Tourismus eigentlich zu Salzburg gehört.
Was vorher manchmal vielleicht ein bisschen nervig gewesen war – volle Gassen, Menschenmengen, lange Schlangen – fehlte plötzlich.
Und damit fehlte auch ein Teil des Lebens der Stadt.
Heute sind die Menschen wieder da. Die Gassen sind voll, die Kameras werden gezückt, vor Mozarts Geburtshaus bleiben die Menschen stehen und die Stadt lebt wieder von ihren Besuchern.
Und ehrlich gesagt: Das gehört einfach zu Salzburg.
Wie fühlt es sich an, dort aufzuwachsen, wo andere Urlaub machen?
Für mich fühlt es sich wie ein Privileg an.
Denn wenn man in Salzburg geboren und aufgewachsen ist, dann sieht man vielleicht irgendwann gar nicht mehr alles mit den Augen eines Touristen.
Die Festung ist nicht nur ein Fotomotiv.
Die Salzach ist nicht einfach nur ein Fluss.
Der Mirabellgarten ist nicht nur eine Sehenswürdigkeit.
Die Getreidegasse ist nicht nur eine berühmte Einkaufsstraße.
Es ist meine Stadt.
Und vielleicht bin ich tatsächlich noch nicht auf der ganzen Welt herumgekommen. Vielleicht gibt es noch unzählige wunderschöne Orte, die ich noch nicht gesehen habe.
Aber brauche ich das unbedingt?
Eigentlich nicht.
Denn vieles von dem, was mir gefällt und wo ich mich wohlfühle, habe ich direkt vor der Haustür – oder zumindest ganz in der Nähe und heute sogar im Nachbarland.
Salzburg hat Berge, Wasser, Geschichte, Musik, Kultur, gutes Essen, schöne Plätze und diese besondere Mischung aus Stadt und Natur.
Und für mich gilt deshalb ganz einfach:
Man muss nicht immer weit wegfahren, um etwas Schönes zu erleben. Manchmal reicht es, dort aufzuwachsen, wo andere Urlaub machen.