Bevor die große Liebe in mein Leben kam, gab es natürlich schon einige andere Männer, Beziehungen, Schmetterlinge im Bauch und jede Menge Herzklopfen. Manche Begegnungen waren nur kleine Episoden, andere dauerten Jahre. Manche sind heute schöne Erinnerungen, andere sehe ich mit einem gewissen Schmunzeln – und bei manchen denke ich mir im Nachhinein: Mama hatte einfach recht.
Aber fangen wir ganz vorne an.
Die ersten Schmetterlinge
Ich kann mich noch sehr gut an meinen ersten Kuss erinnern. Der war bei einer Modenschau.
Für mich war das natürlich etwas ganz Besonderes. Der erste Kuss – aufregend, neu und gleichzeitig irgendwie auch ein bisschen überwältigend. Ich kam danach nach Hause und hatte meiner Mama noch gar nichts erzählt.
Aber eigentlich hätte ich mir das Erzählen sparen können.
Kaum war ich zu Hause, schaute Mama mich an und fragte:
„Was war da?“
Ich weiß bis heute nicht, wie sie das immer gemacht hat. Ich hatte nichts gesagt, nichts erzählt – und trotzdem wusste sie sofort, dass irgendetwas passiert war.
Also erzählte ich ihr von meinem ersten Kuss.
Ihre Reaktion war eine Mischung aus: „Na, das musste ja irgendwann kommen“, ein bisschen Besorgnis und natürlich auch Neugier. Schließlich wollte Mama natürlich ganz genau wissen, was da passiert war.
Und damit hatte eine Zeit begonnen, in der alles neu war: die ersten Schmetterlinge, die ersten Küsse, die ersten Zärtlichkeiten und dieses wunderbare, aufregende Gefühl, wenn plötzlich jemand anderes dafür sorgt, dass das Herz ein bisschen schneller schlägt.
Eine Serviette, eine Telefonnummer und eine Motorhaube
Beim Faschingsball lernte ich irgendwann einen Mann kennen, der deutlich älter war als ich. Wenn ich mich heute richtig erinnere, hatte er damals entweder eine Frau oder eine Freundin. Ganz sicher weiß ich das nicht mehr.
Aber an etwas anderes kann ich mich noch sehr gut erinnern.
Ich schrieb ihm meine Telefonnummer auf eine Serviette.
Handys gab es damals schließlich noch nicht. Wenn jemand die eigene Nummer haben wollte, musste man eben kreativ werden. Eine Serviette musste reichen. Heute würde man wahrscheinlich einfach schnell die Nummer ins Handy tippen – damals war eine Serviette der technische Fortschritt. 😂
Noch am selben Abend landeten wir irgendwann auf der Motorhaube irgendeines Autos und knutschten.
Und danach begann das Warten.
Ich saß zu Hause vor unserem Festnetztelefon und wartete darauf, dass er anrufen würde. Dieses Warten war damals noch einmal etwas ganz anderes als heute. Man konnte nicht einfach aufs Handy schauen und sehen, ob eine Nachricht gekommen war. Nein, man saß da und hoffte, dass das Telefon klingeln würde.
Und tatsächlich: Er rief an.
Wir verabredeten uns zu einem Radausflug. Also schnappten wir uns unsere Fahrräder und fuhren los. Irgendwann landeten wir bei irgendeiner Ruine – und auch dort wurde natürlich wieder geknutscht und gefummelt.
Es war aufregend. Alles war neu. Dieses erste Verliebtsein, dieses Kribbeln und die Neugier darauf, wohin das Ganze führen würde.
Aber eines wusste ich damals schon ziemlich genau: Ich wollte selbst bestimmen, wie weit ich gehe.
Als er weitergehen wollte, habe ich gebremst und gesagt:
„Nein, das möchte ich noch nicht.“
Und damit war die Sache auch klar.
Vielleicht war das eine der ersten wichtigen Erfahrungen in meinem Liebesleben: Herzklopfen zu haben, neugierig zu sein und jemanden toll zu finden – aber trotzdem die eigenen Grenzen zu kennen.
Die Zeit des Flirtens
Danach lernte ich noch den einen oder anderen kennen.
Da war zum Beispiel ein Zivildiener und einer, der als Fahrer beim Samariterbund arbeitete. Dazu kamen Schulkollegen, mit denen man ein bisschen herumknutschte und flirtete.
Es war noch nichts Festes. Keine Beziehung, bei der man gesagt hätte: Das ist jetzt der Mann fürs Leben.
Es war vielmehr dieses erste Kennenlernen. Dieses Beschnuppern. Die ersten Küsse, die ersten Zärtlichkeiten und dieses Ausprobieren, was es eigentlich bedeutet, wenn plötzlich jemand anderes interessant wird.
Als Teenager fühlt sich natürlich vieles gleich wie die große Liebe an. Ein bisschen Herzklopfen und schon kann man sich vorstellen, dass daraus vielleicht etwas ganz Großes wird.
Bei uns in der Schule war die Sache mit den Jungs sowieso etwas Besonderes. Wir waren fast ausschließlich Mädchen und die Jungs waren tatsächlich an einer Hand abzuzählen.
Wenn eine von uns dann einen Jungen „abgekriegt“ hatte, war man natürlich schon ein bisschen stolz.
Schaut her – ich habe einen! 😂
Heute muss ich darüber schmunzeln. Aber damals war das eben so.
Es waren die ersten kleinen Schritte in Richtung Liebe. Die ersten Erfahrungen mit Nähe, Verliebtsein und all den Gefühlen, die man vorher zwar aus Erzählungen kannte, aber plötzlich selbst erleben durfte.
Mein erstes Konzert
Mit einem dieser Jungs war ich damals auch auf meinem ersten Konzert.
Ich erinnere mich noch an die Schürzenjäger auf dem Residenzplatz.
Für mich war das wieder etwas ganz Neues. Ein Konzert, gemeinsam mit jemandem, den man mochte, Musik, Menschen und dieses Gefühl, etwas Besonderes zu erleben.
Heute sind Konzerte für viele von uns ganz normale Unternehmungen. Damals war es für mich einfach wieder ein kleines Stück neues Leben.
Und genau aus solchen kleinen Erlebnissen setzte sich diese erste Zeit zusammen: ein Kuss hier, ein Flirt dort, eine Verabredung, ein Konzert, ein bisschen Herzklopfen.
Bis irgendwann aus diesen kleinen Geschichten die ersten richtigen Beziehungen wurden.
Meine ersten Beziehungen
Mario – meine erste richtige Beziehung
Meine erste richtige Beziehung dauerte ungefähr neun Monate.
Er hieß Mario.
Und wenn ich an Mario denke, muss ich natürlich sofort auch an meine Mama denken. Denn Mama konnte ihn überhaupt nicht leiden.
Wirklich gar nicht.
Sie konnte den Kerl absolut nicht ab. Er durfte auch nicht bei mir übernachten – also anfangs und ich weiß, er schlief dann immer im Auto, in der Nähe einer Hundschule bei uns.
Da fällt mir auch wieder ein, ich hatte ihn am Tierheim kennengelernt, wo ich regelmäßig mit Hunden spazieren gegangen bin, irgendwann stand er dort mit seinem Auto, wir kamen ins Gespräch und naja, aus Gesprächen wurden Küsse und dann eben mehr. Wir das eben oftmals so ist.
Damals stand ich gerade kurz vor meinem Führerschein. Mario hatte ein Auto und ich durfte auf einem Parkplatz mit seinem Auto ein bisschen hin und her fahren und üben.
Das war natürlich praktisch. Schließlich musste ich irgendwann das Autofahren lernen.
Mario war auch der erste Mann, mit dem ich Sex hatte.
Und ja – auch das gehört zu meiner Geschichte.
Ich möchte in meinem Blog nicht so tun, als hätte mein Leben nur aus schönen Sonnenuntergängen, romantischen Spaziergängen und Mozartkugeln bestanden. 😄 Sex gehört zum Leben dazu, und wenn ich über mein Leben erzähle, dann gehört auch dieser Teil dazu.
Ich war damals aufgeklärt. Ich nahm bereits die Pille und natürlich haben wir auch Kondome verwendet. Gerade bei jungen Menschen finde ich es wichtig, dass Aufklärung nicht als Tabuthema behandelt wird.
An den Moment danach kann ich mich allerdings noch sehr gut erinnern.
Mario war irgendwann wieder weg und ich stand vor meiner Mama. Vermutlich mit hochroten Wangen. Bei uns sagt man dazu, man schaut aus „wia a frisch gfickts Oachkatzl“.
Mama schaute mich an.
Und natürlich wusste sie sofort Bescheid.
Ihre erste Frage war:
„Wie war’s?“
Keine große Moralpredigt. Kein Drama.
Einfach:
„Wie war’s?“
So war Mama.
Nach neun Monaten war diese erste richtige Beziehung dann vorbei.
Markus – fünf Jahre und viele Erinnerungen
Danach kam Markus.
Mit Markus war ich ungefähr fünf Jahre zusammen.
Er war damals Student an der juristischen Fakultät und ich arbeitete bereits im Landesdienst, bzw. im Krankenhaus. Ich hatte inzwischen meinen Führerschein gemacht und war damit natürlich deutlich unabhängiger, fühlte ich mich zumindest, auch wenn ich kein eigenes Auto hatte, aber ich durfte ab und an mit seinem fahren.
Mit Markus verbinde ich viele schöne Erinnerungen.
Wir waren zweimal gemeinsam in Griechenland im Urlaub. Wir waren oft in Wien. Wenn seine Eltern in Salzburg in ihrer Wohnung waren, waren wir in Wien in der Wohnung.
Wir haben dort mit Freunden Silvester gefeiert und überhaupt viel gemeinsam erlebt.
Auch sonst waren wir viel zusammen. Wir wohnten nicht weit voneinander entfernt. Mit dem Auto waren es vielleicht fünf oder zehn Minuten.
Es war eine lange Beziehung und damit natürlich ein wichtiger Abschnitt meines Lebens. Ich erinnere mich an meinen ersten Ring den ich geschenkt bekam, er hatte einen blauen Stein und an eine wundereschöne Kette, aus Muranoglasperlen, die ich übrignens immer noch habe und inzwischen auch wieder trage.
Wenn man fünf Jahre mit einem Menschen zusammen ist, dann besteht eine Beziehung schließlich nicht nur aus den großen romantischen Momenten. Da gehört der ganz normale Alltag genauso dazu wie Urlaube, gemeinsame Unternehmungen, Freunde und all die kleinen Dinge, die man miteinander erlebt.
Swen – eine Beziehung mit schönen und schwierigen Seiten
Nach Markus kam Swen.
Mit Swen war ich ebenfalls ungefähr fünf Jahre zusammen.
Swen starb 2010 oder 2011 an einem Herzaneurysma. Er wurde notoperiert, aber danach lebte er nicht mehr lange.
Er starb in meinen Armen.
Dieser Moment gehört zu den intensivsten Erfahrungen meines Lebens.
Und obwohl unsere Beziehung nicht immer einfach gewesen war, empfinde ich es heute als ein sehr großes Geschenk, dass Swen auf mich gewartet hat.
Er hätte vielleicht auch früher gehen können. Aber er hat gewartet.
Und ich durfte in diesem letzten Moment bei ihm sein.
Wir hatten in unserer Beziehung oft gestritten. Teilweise war Alkohol im Spiel. Dinge, die ich heute anders sehe und bei denen ich inzwischen auch ein gebranntes Kind bin.
Aber ich möchte auch nichts Schlechtes über einen Menschen erzählen, der nicht mehr hier ist.
Außerdem ist es ja gerade das, was das Leben so kompliziert macht: Eine Beziehung kann schwierig sein und trotzdem Liebe enthalten. Man kann sich oft streiten und trotzdem schöne gemeinsame Erinnerungen haben.
Nach außen sieht eine Beziehung oft ganz anders aus als von innen.
Das habe ich im Laufe meines Lebens gelernt.
Und dieser letzte Moment mit Swen hat mir trotz allem sehr viel Kraft gegeben.
Zwischen den großen Beziehungen
Nach Swen hatte ich zunächst einige Affären.
Es gab also auch Zeiten zwischen den langen Beziehungen. Begegnungen, Flirts und Männer, die für eine gewisse Zeit Teil meines Lebens waren, ohne dass daraus eine dauerhafte Beziehung wurde.
Auch das gehört zu meinem Leben.
Nicht jeder Mensch, den man kennenlernt, muss schließlich der Mensch fürs Leben sein.
Manchmal ist jemand einfach nur für einen bestimmten Abschnitt da.
Und irgendwann kam Michael.
Michael – sieben Jahre und eine Entscheidung
Mit Michael war ich knapp sieben Jahre zusammen.
Auch ihn hatte ich beim Fortgehen kennengelernt. Oder war es online? Nein, ich glaube es war online – naja gut, ich muss mich ja auch nicht mehr an jedes Detail erinnern, das wäre wohl etwas viel verlangt 😀
Sieben Jahre sind eine lange Zeit. Da sammelt man natürlich wieder viele gemeinsame Erfahrungen und Erinnerungen.
Aber diesmal war etwas anders.
Diese Beziehung habe ich beendet.
Die anderen Beziehungen waren meistens von den Männern beendet worden. Bei Michael war ich irgendwann an dem Punkt, an dem ich selbst wusste: Es passt nicht mehr.
Es war nicht unbedingt so, dass alles schlecht gewesen wäre.
Aber ich hatte irgendwann gespürt, dass ich in einer Beziehung noch in eine ganz andere Richtung wollte.
Ich konnte es vielleicht damals noch gar nicht richtig erklären.
Ich wusste nur: Da muss noch etwas anderes sein.
Und genau davon erzähle ich später.
Denn irgendwann sollte der Mensch in mein Leben kommen, bei dem ich das Gefühl hatte:
Jetzt bin ich dort angekommen, wo ich eigentlich immer hinwollte.
Aber bevor wir zu meinem Schatz kommen, müssen wir noch einen kleinen Umweg machen.
Denn dazwischen gab es schließlich noch eine Ehe. Und ich überlege grade ob ich Chronologisch bin – ich glaube erst war Markus, dann meine Ehe und dann Swen …ja genau
Mama hatte wieder einmal recht
Wenn es eine Konstante in meiner bisherigen Liebesgeschichte gibt, dann ist es eigentlich ganz eindeutig:
Mama hatte immer recht.
Egal, welchen Mann ich ihr vorgestellt habe – Mama hatte irgendwie immer sofort ein Gefühl dafür, ob er mir guttun würde oder eben nicht.
Besonders deutlich wurde das bei meinem Ex-Mann.
Wir hatten zunächst standesamtlich geheiratet. Etwa ein halbes Jahr später folgte dann noch die kirchliche Hochzeit in Salzburg.
Und ich erinnere mich an ein Foto von mir, auf dem ich vor dem Altar stehe und ja, Blicke sagen mehr als 1000 Worte.
Wenn ich dieses Foto heute anschaue, denke ich mir manchmal:
Man sieht mir doch an, dass ich schon damals wusste, dass das nichts wird.
Vielleicht wusste ich es wirklich. Vielleicht haben wir nur zum trotz geheiratet, weil die meisten unserer Verwandten von vorne herhein gesagt haben „das wird doch nicht“ …
Ha! das wirfd doch was, wir zeigens euch.
Vielleicht war da dieses Bauchgefühl, das man manchmal hat und trotzdem ignoriert.
Mama jedenfalls hatte am Tag der Hochzeit bereits ihre eigene Prognose abgegeben.
Sie sagte zu mir:
„Ich gebe euch maximal ein Jahr.“
Und was soll ich sagen?
Wir haben es ziemlich exakt ein Jahr geschafft.
Dann kam die Scheidung.
Mama hatte wieder einmal recht.
Eigentlich hätte ich es besser wissen müssen. 😂
Und rückblickend bin ich sogar froh, dass wir keine Kinder bekommen haben.
Überhaupt bin ich heute sehr froh darüber, keine Kinder zu haben. Je älter ich werde, desto mehr empfinde ich diese Entscheidung als richtig für mein Leben.
Es ist einfach ein Teil von mir und meinem Lebensweg.
Und vielleicht ist genau das auch eine der wichtigsten Erkenntnisse, die ich aus all diesen Beziehungen mitgenommen habe:
Manchmal weiß man selbst noch gar nicht genau, was man will.
Man probiert aus. Man verliebt sich. Man irrt sich. Man bleibt. Man geht. Man wird verlassen. Man beendet selbst eine Beziehung. Man liebt. Man streitet. Man versöhnt sich. Man lernt.
Und irgendwann wird einem klarer, was man eigentlich braucht.
Ich hatte viele dieser Erfahrungen schon gemacht, bevor die große Liebe kam.
Und jede einzelne davon hat mich ein kleines Stück näher zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin.