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Erstens läuft es anders – zweitens als man denkt

Mein Second Life – ein Teil von mir

Seit ca. 2017 bin ich nun in Second Life unterwegs. Wenn ich das so schreibe, muss ich tatsächlich selbst erst einmal schlucken. Acht Jahre sind eine verdammt lange Zeit – und wenn ich zurückblicke, habe ich dort einiges erlebt.

Meine Anfänge waren allerdings alles andere als reibungslos. Ich kam ursprünglich von IMVU, ebenfalls einer virtuellen Welt, und als ich zum ersten Mal in Second Life unterwegs war, hat es mir überhaupt nicht gefallen. Die Figuren fand ich schrecklich, ich kam mit der Bedienung nicht wirklich zurecht und insgesamt dachte ich mir eher: Was soll ich denn hier eigentlich?

Irgendwann bin ich dann doch wieder öfter online gegangen und habe mir einen neuen Avatar erstellt. Und damit begann eine ziemlich lange Geschichte aus verschiedenen Avataren, unterschiedlichen Namen und unzähligen Stunden, in denen ich an meinem Aussehen herumgebastelt habe.

Im Grunde war ich aber immer Luna.

Wenn man neu in Second Life ist, ist man erst einmal ziemlich planlos. Ich war es jedenfalls. Du stehst vor diesen ganzen Möglichkeiten und denkst dir: Ähm … muss ich dafür jetzt eigentlich studieren? 😂

Allein die Möglichkeiten, einen Avatar zu gestalten, waren für mich am Anfang eine Wissenschaft für sich. Wie oft ich mir neue Körper, Köpfe und Gesichter erstellt und anschließend wieder alles verändert habe, kann ich schon gar nicht mehr zählen. Bis man irgendwann herausbekommt, wie das alles funktioniert, gehen so einige Nerven drauf.

Aber wenn es dann endlich passt und man mit seinem Avatar zufrieden ist, macht es unglaublich viel Spaß. Und Gott sei dank hatte ich hilfe, ich hatte ziemlich schnell Anschluss gefunden und tatkräftige Unterstützung. 

Und genau das ist für mich einer der schönsten Punkte an Second Life:

Du kannst dort sein, wer oder was auch immer du möchtest.

Und ich war so einiges.

Ich war ein Drache.
Ich war ein Fuchs.
Ich war ein Wolf.
Und ich war noch vieles mehr – sogar ein Wellensittich. 😂

Der Fantasie sind dort eigentlich kaum Grenzen gesetzt.

Natürlich darf man bei all dem nie vergessen: Hinter jedem Avatar sitzt ein echter Mensch. Und genau das macht Second Life für mich auch so interessant.

In all den Jahren habe ich unglaublich viele Menschen kennengelernt und Freundschaften geschlossen. Einige davon sind längst nicht mehr auf Second Life beschränkt. Mit manchen Menschen pflege ich bis heute Kontakt – ganz unabhängig davon, ob wir gerade gemeinsam in einer virtuellen Welt unterwegs sind oder nicht.

Und dann wären da natürlich noch …

Liebe, Eifersucht und Drama.

Leute, ganz ehrlich:

RTL ist ein Scheiß dagegen. 😂

Ich habe in Second Life wirklich alles erlebt. Freundschaften, Streit, Gefühle, Enttäuschungen, Zusammenhalt, verrückte Geschichten und Situationen, bei denen man sich irgendwann nur noch fragt: Kann das jetzt wirklich gerade passieren?

Und auch meine ersten Erfahrungen mit der BDSM-Szene habe ich tatsächlich in Second Life beziehungsweise vorher bei IMVU gemacht. Rückblickend war das für mich sogar ziemlich hilfreich. Ich konnte mich zunächst in einer virtuellen Umgebung mit bestimmten Situationen und Dynamiken auseinandersetzen. Ohne diese Erfahrungen hätte ich bei meinen ersten realen Erfahrungen wahrscheinlich nicht annähernd so sicher reagieren können, wie ich es dann konnte.

Auch als Single bietet Second Life natürlich so einige Möglichkeiten. 😉

Wobei man sich die Anfänge dort ganz anders vorstellen muss als heute.

Ich erinnere mich noch daran, wie ich mir meine Linden, also die Währung in Second Life, teilweise mühsam verdient habe. Und damals war noch sehr viel Rollenspiel angesagt. Fantasie war gefragt. Worte waren gefragt.

Man musste tatsächlich noch schreiben und sich etwas einfallen lassen.

Heute gibt es natürlich ganz andere Möglichkeiten mit Voice und allem, was technisch inzwischen dazugehört. Aber manchmal vermisse ich dieses alte Rollenspiel tatsächlich ein bisschen.

Mein Club – Sinful Vibes

Eine längere Zeit hatte ich in Second Life meinen eigenen Club: Das Sinful Vibes.

Und dieser Club ist mir wirklich ans Herz gewachsen.

Gerade in der Zeit, in der ich Single war und nicht besonders viel unterwegs war, wurde Second Life zu einem großen Teil meiner Freizeit. Das Geld, das ich im echten Leben vielleicht für Partys und Unternehmungen ausgegeben hätte, habe ich eben in Second Life gesteckt.

Und glaubt mir: Ich möchte rückblickend gar nicht wissen, wie viel echtes Geld ich dort gelassen habe. 😂

Aber es hat Spaß gemacht.

Und das ist letztendlich das Wichtigste.

Ich hatte den Club selbst gebaut und eingerichtet. Und der war nicht einfach nur eine kleine Disco.

Ich hatte dort einen BDSM-Bereich, einen Spa-Bereich, eine Disco, einen Ballsaal und eine Stage, die ich je nach Veranstaltung immer wieder individuell gestaltet habe.

Dazu kamen eine Rockstage, ein Bluesclub, einen Pavillon und sogar eine Outdoor- beziehungsweise Strandbühne.

Kurz gesagt:

Ich hatte ein ziemlich riesiges virtuelles Zuhause.

Und natürlich habe ich über die Jahre ein entsprechend riesiges Inventar angesammelt. Das alles bleibt in meinem Account, solange ich ihn nicht lösche.

Was wahrscheinlich auch der Grund ist, warum ich lieber nicht darüber nachdenke, wie viel Geld dort inzwischen herumliegt. 😂

Partys, DJs und Live-Musik

Aber einen Club zu haben bedeutet auch in Second Life: Arbeit.

Ich hatte DJ-Events und Live-Veranstaltungen. Dafür konnte man Sänger buchen, die sich über einen Stream in das Geschehen einklinkten und dann live für die Besucher sangen. Dann mussten aber auch noch die Plakate gemacht werden, Werbung geschalten und während der Veranstaltung musste man natürlich auch anwesend sein und das ganzen Hosten. 

Und ich hatte wirklich richtig gute Sänger dabei.

Es waren tolle Partys und tolle Veranstaltungen, an die ich mich auch heute noch gerne zurückerinnere.

Es war eben nicht einfach nur ein Computerspiel.

Für mich war es eine eigene kleine Welt, in der ich kreativ sein konnte, Menschen kennenlernen, Veranstaltungen organisieren und einfach eine Menge Spaß haben konnte.

Und heute?

Second Life ist über die Jahre definitiv besser geworden. Auch wenn inzwischen vielleicht nicht mehr ganz so viele Menschen unterwegs sind wie früher, gibt es immer noch genug Leute und vor allem unglaublich viele Möglichkeiten.

Ich bin heute nicht mehr ständig dort.

Aber ich schaue nach wie vor immer mal wieder vorbei. Manchmal mache ich dort GOR-Rollenspiele, manchmal zocke ich einfach ein bisschen und manchmal schaue ich nur, was es Neues gibt.

Und eines weiß ich ganz sicher:

Second Life ist ein Teil meiner Geschichte geworden.

Ich möchte diese Zeit nicht missen.

Denn auch wenn vieles davon virtuell war, waren die Erlebnisse, die Gespräche, die Freundschaften, die Freude und manchmal auch der Ärger dahinter ganz real.

Ich habe dort Menschen kennengelernt, Dinge ausprobiert, meine Kreativität ausgelebt, Veranstaltungen auf die Beine gestellt, gelacht, mich geärgert und jede Menge verrückte Geschichten erlebt.

Und deshalb gehört Second Life für mich einfach zu meinem Leben dazu.

Anbei zeige ich euch ein paar Bilder aus dieser Zeit, damit ihr euch selbst ein kleines Bild von meiner virtuellen Welt machen könnt.