
Wenn ich an Salzburg denke, dann gehört Musik für mich einfach dazu.
Und meine eigene musikalische Geschichte begann eigentlich ganz unspektakulär.
Wie bei vielen Kindern wahrscheinlich mit der Blockflöte.
Irgendwann kam dann die Altflöte dazu und irgendwann auch der Kommentar meines Musiklehrers an meine Mutter:
„Lassen Sie das Kind bloß kein Instrument lernen. Das Talent reicht nicht.“
Nun ja.
Meine Mutter sah das offensichtlich anders.
Und ich irgendwie auch. 😂
Irgendwann landete ich dann beim Musikverein in unserer Nachbarschaft.
Die große Frage war zunächst:
Was soll’s denn werden?
Nach einigem Herumprobieren fiel die Wahl schließlich auf die Klarinette.
Und damit begann eine musikalische Reise, die mich durch meine gesamte Jugend begleiten sollte.
Ich hatte tolle Lehrer, die mir nicht nur das Instrument beigebracht, sondern mir auch die Liebe zur Klarinette vermittelt haben.
Ich habe dieses Instrument wirklich gerne gespielt.
Heute denke ich mir manchmal:
Hättest du dir das schöne Ding bloß aufgehoben!
Denn irgendwann, in meiner späteren Jugend oder meinem frühen Erwachsenenleben, habe ich meine Klarinette tatsächlich verkauft.
Heute bereue ich das zutiefst.
Manchmal trifft man Entscheidungen, von denen man damals überzeugt ist – und Jahre später würde man sich dafür am liebsten selbst auf die Schulter klopfen und sagen:
„Das war jetzt aber nicht besonders schlau.“ 😂
Festspieleröffnungen und Leuchtbrunnenkonzerte
Wir haben mit dem Musikverein bei vielen Veranstaltungen gespielt.
Natürlich waren auch Hochzeiten und Beerdigungen dabei, aber es gab etwas, das für uns immer ein ganz besonderes Highlight war:
die Festspieleröffnung.
Denn bei den Festspieleröffnungen dabei sein zu dürfen, bedeutete für mich, ein kleiner Teil von etwas zu sein, das weit über Salzburg hinaus bekannt ist.
Eine weltweit bekannte Veranstaltung.
Und plötzlich war man selbst mittendrin.
Zu unseren Auftritten gehörten neben der Eröffnung und dem Fackeltanz auch die Promenadenkonzerte und die Leuchtbrunnenkonzerte.
Die Promenadenkonzerte fanden, soweit ich mich erinnere, immer samstags am Vormittag statt.
Die Leuchtbrunnenkonzerte waren meines Wissens mittwochabends.
Gerade diese Konzerte wurden auch von vielen Touristen gerne besucht.
Für die Besucher war es ein Programmpunkt ihres Salzburg-Aufenthalts.
Für uns war es ein Auftritt.
Und trotzdem war da natürlich dieses kleine Gefühl von:
Wir gehören heute dazu.
Wir standen dort, spielten unsere Musik und wussten, dass rundherum Menschen aus aller Welt standen, die genau wegen dieser besonderen Atmosphäre nach Salzburg gekommen waren.
Natürlich erinnern sich diese Menschen wahrscheinlich nicht an mich.
Für sie war es das große Ganze.
Die Musik.
Die Lichter.
Die Festspiele.
Das Spektakel.
Aber für mich ist die Erinnerung geblieben.
Und das ist eigentlich das Schöne daran.
Und natürlich gab es auch die weniger offiziellen Auftritte … 😂
Denn wer jetzt glaubt, ein Musikverein bestehe nur aus ordentlich aufgereihten Musikern, Instrumenten, Notenständern und offiziellen Auftritten, der kennt mich noch nicht. 😂
Gerade im Zusammenhang mit dem Musikverein gibt es natürlich auch ein paar Geschichten, die ein bisschen weniger musikalisch und dafür umso lustiger sind.
Ich erinnere mich zum Beispiel an meine allererste Hochzeit, bei der ich mit dem Musikverein gespielt habe.
Und diese Hochzeit war für mich gleich in mehrfacher Hinsicht etwas Besonderes.
Denn dort habe ich zum ersten Mal in meinem Leben Alkohol getrunken.
Natürlich hatte ich damals noch nicht wirklich die große Ahnung davon, was Alkohol eigentlich so alles anstellen kann.
Meine Mutter offenbar schon.
Denn als ich später nach Hause kam, wusste sie sofort Bescheid.
Ohne dass ich auch nur ein Wort gesagt hatte.
Mütter haben dafür offenbar einen eingebauten sechsten Sinn. 😂
Ich selbst war allerdings nicht wirklich darüber aufgeklärt, wie das Ganze funktioniert, und so ließ mich meine Mutter offenbar ein bisschen in dem Glauben, ich hätte gerade den Grundstein für eine große Alkoholikerkarriere gelegt.
Keine Sorge:
Ist nichts daraus geworden. 😂
Aber die Geschichte ist mir bis heute geblieben.
Und dann war da noch das Bierzelt.
Auch eine klassische Veranstaltung, bei der ein Musikverein natürlich nicht fehlen darf.
Am nächsten Tag bekam meine Mutter einen Anruf.
Und der Inhalt war ungefähr:
„Eigentlich ist es nicht üblich, dass die Mädchen einer Musikkapelle auf dem Tisch tanzen.“
Eigentlich.
Nicht üblich.
Ja.
Was soll ich sagen?
Ich war halt ich. 😂
Und wenn ich heute darüber nachdenke, passt diese Geschichte eigentlich ganz gut zu mir.
Ich war schon damals offenbar nicht unbedingt dafür bekannt, mich sklavisch an das zu halten, was „man so macht“.
Wenn Musik, gute Stimmung und ein Bierzelt zusammenkommen, kann es eben passieren, dass ein Mädchen aus der Musikkapelle plötzlich auf einem Tisch steht.
Zumindest bei mir. 😂
Der Rainermarsch
Eine meiner liebsten Erinnerungen stammt allerdings von einem Musikseminar.
In den Sommerferien durfte ich regelmäßig an einem Musikseminar teilnehmen, das über eine ganze Woche ging.
Zum Abschluss gab es natürlich ein Konzert.
Und dieses Konzert begann traditionell mit dem Rainermarsch.
So war es eben.
Rainermarsch.
Fertig.
Unser damaliger Leiter hatte allerdings irgendwann die Idee:
„Nein, diesmal machen wir es anders.“
Tja.
Das Orchester sah das ein bisschen anders. 😂
Wir waren uns offenbar ziemlich einig, dass ein Abschlusskonzert ohne unseren Rainermarsch einfach nicht das Gleiche wäre.
Also beschlossen wir kurzerhand, trotzdem den Rainermarsch zu spielen.
Ich glaube, unser damaliger Leiter war ziemlich überrascht.
Das Publikum hatte jedenfalls seinen Spaß.
Und ausgerechnet diese kleine musikalische Rebellion ist mir bis heute im Gedächtnis geblieben.
Vielleicht auch deshalb, weil sie zeigt, dass Musik eben nicht immer nur darum geht, alles perfekt nach Plan zu machen.
Manchmal geht es auch um Gemeinschaft.
Um Spaß.
Und darum, gemeinsam etwas zu erleben.
Musik ist geblieben
Irgendwann habe ich die Klarinette dann endgültig zur Seite gelegt.
Zwischendurch habe ich sogar noch einmal versucht, Saxophon zu lernen.

Aber auch das habe ich irgendwann wieder an den Nagel gehängt.
Vielleicht ist die Musik damit aber noch lange nicht aus meinem Leben verschwunden.
Denn wer weiß?
Vielleicht führt mich meine kreative Art irgendwann wieder zurück zur Musik.
Sehr zum Leidwesen meines Mannes natürlich, der das dann alles ertragen muss. 😂
Denn Musik spielt in meinem Leben generell eine sehr wichtige Rolle.
Für mich ist ein Tag ohne Musik eigentlich ein verlorener Tag.
Irgendein Radio läuft.
Irgendeine Musik.
Irgendein Stream.
Irgendwas muss eigentlich immer im Hintergrund erklingen.
Und meine musikalische Geschichte begann ja sogar schon in der Schule.
Nicht nur mit Blockflöte und Altflöte.
Auch mit dem Schulchor hatte ich Auftritte.
An einen davon erinnere ich mich besonders, obwohl ich heute nicht einmal mehr weiß, welches Stück wir damals aufgeführt haben.
Ich glaube, ich war als Komet oder Weihnachtsstern auf der Bühne im Salzburger Mozarteum.
Ich erinnere mich dunkel an ein hellblaues Kleidchen.
Was genau ich dort gemacht habe?
Keine Ahnung. 😂
Aber ich weiß, dass ich dort stand.
Und ich weiß noch, dass meine Eltern ziemlich stolz auf mich waren.
Und vielleicht ist genau das eine der schönsten Erinnerungen daran.
Nicht das Stück.
Nicht meine Rolle.
Nicht einmal die Musik.
Sondern dieses Gefühl, dass Mama und Papa stolz auf mich waren.
Ein kleines Stück Festspielstadt
Wenn ich heute darüber nachdenke, wie es sich anfühlt, als Salzburgerin früher selbst Teil dieser Veranstaltungen gewesen zu sein, dann ist da schon ein kleines bisschen Stolz.
Nicht, weil ich glaube, dass sich irgendein Tourist heute noch an mich erinnern würde.
Das wäre auch ziemlich vermessen. 😂
Die Menschen kamen wegen der Festspiele.
Wegen der Musik.
Wegen Salzburg.
Und wir waren ein kleiner Teil des großen Ganzen.
Aber genau das macht die Erinnerung für mich so besonders.
Ich durfte nicht nur in einer Stadt aufwachsen, in der andere Menschen Urlaub machten.
Ich durfte manchmal selbst ein kleines bisschen dazu beitragen, dass diese Menschen Salzburg erleben konnten.
Und vielleicht ist das einer der Gründe, warum Musik für mich bis heute so eng mit meiner Heimat verbunden ist.
Wenn ich an Salzburg denke, höre ich nicht nur die Geräusche einer Stadt.
Ich höre Musik.
Und irgendwo dazwischen vielleicht noch eine Klarinette, einen Rainermarsch, das Lachen eines Publikums und vielleicht auch den einen oder anderen ziemlich ausgelassenen Abend im Bierzelt.
Und wer weiß – vielleicht wartet irgendwo noch ein Instrument darauf, dass ich irgendwann wieder sage:
„Na gut. Dann probieren wir es halt noch einmal.“ 🎶