nichtganznachplan

Erstens läuft es anders – zweitens als man denkt

Aktuelle Beiträge

    MeIne KIndhEiT in SalZbuRG


    Wenn ich an meine Kindheit in Salzburg zurückdenke, dann denke ich vor allem an eines:

    Dankbarkeit.


    Ich wurde adoptiert. Und wenn ich heute zurückblicke, kann ich ehrlich sagen: Ich hätte es besser nicht treffen können.


    Ich hatte wundervolle Eltern, die mir vieles ermöglicht haben. Schule, Ausbildung, Hobbys – eigentlich all das, was man sich als Kind und Jugendlicher wünscht. Dafür bin ich bis heute sehr, sehr dankbar.


    Gerade wenn man sich heute umsieht und mitbekommt, dass sich viele Menschen schon die kleinsten Dinge nicht mehr leisten können, weiß ich umso mehr zu schätzen, wie behütet ich aufwachsen durfte.


    Ich bin in einer Zeit groß geworden, in der vieles noch selbstverständlich war.
    Man konnte einfach mit der Mutti in die Stadt fahren. Ein bisschen einkaufen, durch die Altstadt bummeln und natürlich irgendwo ein Eis essen.


    Oder – und das war für mich mindestens genauso wichtig – einen Bosner.


    Was bitte ist ein Bosner?


    Für alle, die jetzt vielleicht ratlos schauen: Ein Bosner ist eine Salzburger Spezialität, die man typischerweise beim Würstelstandl bekommt.


    Ein aufgetoastetes Hotdog-Brötchen, scharfer Senf, ordentlich Zwiebeln, zwei kleine Schweinsbratwürstchen und Curry.


    Klingt simpel?


    Ist es auch.


    Aber glaubt mir: Ein Bosner gehört zu Salzburg einfach dazu.


    Ich erinnere mich gerne an unsere Familienausflüge. An die Sonntage, an denen wir in die wunderschöne St. Peterkirche gingen oder auch einmal in die Franziskanerkirche.


    Ich erinnere mich an meinen ersten Besuch bei McDonald’s in der Getreidegasse. Damals war das noch etwas Besonderes.


    Und ich erinnere mich an einen kleinen Schmuckstand, den es früher gab. Hassan hatte ihn. In unserer Jugend standen wir dort oft und haben uns ausgetauscht, gequatscht und einfach Zeit miteinander verbracht.


    Wenn ich an die Salzburger Altstadt denke, denke ich auch an die Wochenmärkte.


    An die Schranne.


    Dorthin bin ich früher oft mit meiner Oma gegangen. Sie hatte ihre festen Stände, bei denen sie immer einkaufte. Man kannte sich.
    Und genau dort passierte eine Geschichte, die ich bis heute nicht vergessen habe.


    Meine Oma war damals schon weit über 80. Wir waren auf der Schranne und gingen natürlich auch zu ihrem Gemüsestand.
    Sie kaufte ihre Sachen – ich glaube, es war Spinat und noch das eine oder andere Gemüse. Unter anderem nahm sie eine Stange Meerrettich, bei uns natürlich Kren genannt.
    Sie bezahlte, nahm den Kren und wollte ihn noch einpacken.


    Da sagte der Verkäufer plötzlich:
    „Moment, den haben Sie noch nicht bezahlt.“
    Meine Oma war davon überzeugt, dass sie ihn bezahlt hatte.
    Und zwar so überzeugt, dass sie den Kren einfach schnappte und davonmarschierte.


    Ich stand daneben und wusste gar nicht so recht, was ich sagen sollte.
    Also habe ich den Kren kurzerhand bezahlt.
    Meine Oma war eben schon eine Marke, wie man so schön sagt.


    Und genau solche Geschichten sind es, die mir geblieben sind.


    Wenn ich heute an Salzburg denke, denke ich deshalb nicht nur an Mozart, die Festspiele, die Getreidegasse oder die wunderschöne Altstadt.


    Ich denke an meine Eltern.


    An meine Oma.


    An meine Kindheit.


    An die kleinen Ausflüge, die Familienmomente, die Schranne, die Würstelstände, die Kirchen und an all die kleinen Dinge, die damals vielleicht ganz selbstverständlich waren und heute zu meinen schönsten Erinnerungen gehören.
    Meine Mutter lebt heute leider nicht mehr.


    Mein Papa ist noch da, ebenso mein Bruder.


    Aber über meine Familie und meine Geschichte möchte ich an einer anderen Stelle noch ein bisschen mehr erzählen.


    Denn auch das gehört zu meinem Salzburg.