Am 23. Dezember, kurz bevor wir nach Cottbus fahren wollten, wurde ich schon mit extremem Schüttelfrost wach. Mir ging es allgemein nicht besonders gut, aber auch da hatte ich zunächst noch keine großen Bedenken. Gut, dachte ich, dann brütest du eben irgendeine Grippe aus. Wird schon halb so wild sein.
An die Schmerzen am Po und daran, dass beides vielleicht zusammenhängen könnte, dachte ich zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht.
Und Cottbus wollte ich auf keinen Fall verpassen.
Also wurde ich eingepackt wie sonst was und wir fuhren los. Mir war eisig kalt, ich habe gefroren, mir ging es richtig schlecht und sitzen konnte ich inzwischen eigentlich auch kaum noch. Aber gut – irgendwie würde ich das schon schaffen.
Die Fahrt habe ich tatsächlich überstanden. In Cottbus angekommen, besuchten wir erst einmal Mutti. Sie gab mir noch ein starkes Schmerzmittel, anschließend haben wir – soweit ich mich erinnere – sogar noch etwas gegessen und sind dann noch über den Weihnachtsmarkt geschlendert, bevor wir dann unsere Unterkunft bezogen haben.
Dort war dann endgültig klar: Irgendetwas stimmte nicht.
Thomas warf einen Blick auf meinen Po. Die linke Pobacke war inzwischen deutlich gerötet. Etwa die Hälfte, von unten seitlich nach innen, war rot und sah alles andere als normal aus.
Schließlich sagte ich zu Thomas:
„Schatz, fahr mich mal ins Krankenhaus. Irgendwas stimmt nicht. Ich möchte, dass da mal jemand draufschaut.“
Gesagt, getan.
Thomas fuhr mich ins Krankenhaus. Allerdings machte ich dabei gleich meinen ersten kleinen Fehler: Statt direkt in die Notaufnahme zu gehen, ging ich zum ärztlichen Notdienst.
Und ihr könnt euch ungefähr vorstellen, was dort los war – einen Tag vor Weihnachten.
Ich bin eigentlich ein Mensch, der nicht gerne nervt. Wenn nicht wirklich etwas ist, halte ich mich zurück. Aber diesmal hatte ich wirklich Schmerzen. Ich konnte kaum noch sitzen und war zwischenzeitlich sogar am Heulen.
Trotzdem wartete ich. Über 5 Stunden. Denn natürlich waren auch andere Menschen dort, die Schmerzen hatten oder krank waren. Niemand sitzt schließlich aus Jux und Tollerei beim ärztlichen Notdienst.
Irgendwann war ich dann an der Reihe. Der Arzt warf einen kurzen Blick auf die Stelle und meinte sinngemäß:
„Nehmen Sie ein drei Tage Antibiotikum und Schmerzmittel. Wenn es nicht besser wird, kommen Sie wieder.“
Also gut. Das tat ich.
Nur leider wurde es nicht besser.
Im Gegenteil.
Es wurde immer schlimmer.
Die Nacht auf Heiligabend habe ich kaum geschlafen. Und am Morgen, ungefähr gegen acht Uhr, sagte ich zu Thomas:
„Jetzt rufe ich die Rettung. Irgendwas stimmt nicht.“
Ich hatte einfach ein ganz schlechtes Gefühl.
Und im Nachhinein weiß ich: Genau dieses Bauchgefühl hat mir vermutlich das Leben gerettet. Hätte ich an diesem Morgen nicht reagiert und wäre nicht auf den Gedanken gekommen, die Rettung zu rufen, würde ich heute wahrscheinlich nicht hier sitzen und diese Geschichte erzählen.
Thomas ging nach draußen, um die Rettungskräfte abzuholen, denn unsere Unterkunft befand sich in so einem typischen Betonkomplex – einer „Platte“.
Dann kamen sie: zwei Rettungssanitäter und eine Ärztin. Alle drei waren unglaublich nett. Und irgendwie musste ich trotz der Situation schmunzeln, denn sie trugen zu Heiligabend sogar süße Weihnachtspullover.
Die Ärztin schaute mich an, schaute einmal auf meinen Po, drückte vorsichtig darauf und sagte:
„So, wir nehmen Sie direkt mit.“
Da gab es auch gar nicht mehr viel zu diskutieren.
Es wurde ein Liegendtransport, denn ich konnte zu diesem Zeitpunkt kaum noch sitzen, kaum noch laufen und eigentlich überhaupt nicht mehr richtig irgendetwas.
Im Krankenhaus angekommen, kümmerte sich ein sehr netter junger Arzt um mich. Auch er schaute sich zunächst meinen Po an und meinte, es könnte sich um eine Wundrose handeln.
Wir warteten auf die Blutwerte. Blut war mir bereits abgenommen worden.
Für mich fühlte es sich wie eine Ewigkeit an, bis der Arzt schließlich wiederkam.
Seine Worte werde ich wohl nicht vergessen:
„So, Sie gehen hier gar nicht mehr irgendwo hin. Sie haben jetzt erst einmal eine Woche Krankenhausaufenthalt gewonnen.“
Die Blutwerte waren sehr, sehr schlecht.
Es ging zu diesem Zeitpunkt plötzlich gar nicht mehr nur um meinen Po. Die Werte waren so auffällig, dass zunächst etwas ganz anderes im Vordergrund stand: Wir mussten sehen, dass wir die Entzündung mit Antibiotika überhaupt erst einmal in den Griff bekamen. Ich hatte eine Sepsis.
Und damit begann mein Heiligabend 2025 im Krankenhaus.
Ich ahnte zu diesem Zeitpunkt noch nicht, wie lange ich dort tatsächlich bleiben würde.