
Manchmal lernt man die große Liebe ganz klassisch kennen.
Beim Einkaufen.
Im Urlaub.
Über Freunde.
Oder – wie sollte es bei mir auch anders sein – im Internet auf einer Plattform für Erwachsene. 😂
Thomas hatte mich dort in einem Stream entdeckt. Während des Streams haben wir uns schon ein bisschen unterhalten beziehungsweise gechattet.
Irgendwann schaute ich mir sein Profil genauer an.
Und dann kam die erste wichtige Information, die man heutzutage ja durchaus wissen sollte, bevor man sich auf irgendetwas einlässt:
580 Kilometer Entfernung.
Das stand da tatsächlich.
580 Kilometer!
Gut, dachte ich. Das ist schon einmal eine Hausnummer.
Bis dahin hätte ich mir nämlich nie vorstellen können, eine Fernbeziehung zu führen. Für mich war eigentlich immer klar: Ein Mann sollte schon halbwegs in erreichbarer Nähe wohnen.
Aber gut – man soll niemals nie sagen.
Und wie sich später herausstellen sollte, waren die über 580 Kilometer sowieso noch ziemlich optimistisch gerechnet.
Am Ende waren es nämlich eher 850 Kilometer.
Aber dazu später mehr. 😂
+43 und WA – Thomas hatte erst einmal Fragezeichen oder mehrere
Wir schrieben uns weiter und irgendwann fragte ich ihn, ob er Lust auf ein C2C – Cam2Cam hätte.
Ich schickte ihm meine Telefonnummer.
Natürlich mit +43 davor.
Und damit hatte Thomas erst einmal so seine Schwierigkeiten.
+43?
Was soll das denn sein?
Auch mit meiner Abkürzung WA konnte er zunächst nicht besonders viel anfangen.
Man könnte also sagen: Unser Kennenlernen begann schon einmal mit kleinen Verständigungsproblemen. 😂
Irgendwann mussten wir unseren Chat allerdings unterbrechen, denn Thomas hatte Frühdienst und musste ins Bett.
Und wie das so ist, wenn man jemanden gerade erst kennengelernt hat und schon ein bisschen Herzklopfen im Spiel ist, denkt man natürlich sofort:
Na toll. Jetzt meldet der sich bestimmt nicht mehr.
Vielleicht war es einfach nur ein netter Abend für ihn.
Vielleicht war das Interesse schon wieder vorbei.
Vielleicht war ich auch einfach nur ein bisschen zu neugierig.
Aber am nächsten Tag kam tatsächlich eine Nachricht.
Nach seinem Dienst.
Und siehe da: Die Sache mit der +43 hatte sich auch geklärt.
Österreich.
Ach so!
Und auch das geheimnisvolle „WA“ war irgendwann entschlüsselt.
WhatsApp.
Damit waren die ersten technischen Hürden unserer großen Liebesgeschichte schon einmal überwunden. 😂
Stundenlanges Videotelefonieren
Danach ging es richtig los.
Wir telefonierten.
Wir telefonierten lange.
Und dann telefonierten wir noch länger.
Aus ein bisschen Chatten wurden stundenlange Videotelefonate.
Wir unterhielten uns, lernten uns kennen, erzählten uns gegenseitig Dinge und verbrachten immer mehr Zeit miteinander – obwohl wir uns noch gar nicht persönlich getroffen hatten.
Und irgendwo zwischen diesen langen Gesprächen begann es dann:
Herzklopfen.
Bei jeder Nachricht wurde das Herz ein bisschen schneller.
Wenn das Telefon klingelte, war ich gespannt.
Und wenn eine Nachricht von ihm kam, war da dieses Gefühl:
Oh! Thomas!
Es war eine wunderbare erste Woche.
Eine dieser Wochen, in denen man plötzlich ständig auf sein Handy schaut und sich dabei ertappt, wie man grinst.
Und dann kam von Thomas irgendwann der Satz:
„Ich habe ein verlängertes Wochenende. Wie sieht’s aus? Ich komme vorbei.“
Ähm.
Moment.
Wie bitte?
Natürlich beginnt man dann erst einmal nachzudenken.
580 Kilometer.
Beziehungsweise später stellte sich heraus: eigentlich noch mehr.
Und was, wenn es persönlich überhaupt nicht passt?
Was macht man dann?
Man kann einen Menschen schließlich nicht nach acht Stunden Fahrt wieder vor die Tür setzen und sagen:
„War nett, gute Heimfahrt!“ 😂
Aber trotz aller Gedanken und Bedenken:
Thomas kam.
Und dann stand er plötzlich vor meiner Tür
Ich werde dieses erste Treffen niemals vergessen.
Schon allein wegen des Wetters.
Als Thomas ankam, regnete es richtig stark.
Und er musste vom Auto bis zu meiner Haustür.
Das Ergebnis:
Thomas war innerhalb kürzester Zeit klatschnass.
Ich sehe ihn heute noch vor mir.
Mit seinem kleinen Köfferchen.
Und – was ich bis heute irgendwie besonders lustig finde – seinem Kissen unter dem Arm.

Da kommt also der Mann, den man bisher nur vom Bildschirm kennt, nach einer stundenlangen Fahrt endlich bei einem an und steht völlig durchnässt mit Köfferchen und eigenem Kissen vor der Tür.
Romantik kann so schön sein. 😂
Und dann ging es ziemlich schnell.
Das Erste, was passierte, war ein riesiger Klatsch auf meinen Hintern.

So viel zum vorsichtigen Kennenlernen. 😂
Der Handabdruck war tatsächlich noch einige Tage zu sehen.
Und dann legte er mir mein Halsband um.

Ich hatte zwar schon einmal eines getragen, aber dieses war sein Halsband.
Und damit war irgendwie auch etwas ganz Besonderes verbunden.
Seins.

Eigentum von.
Wobei wir zu diesem Zeitpunkt beide noch überhaupt nicht daran dachten, eine feste Beziehung miteinander zu führen.
Wir waren schließlich vernünftig.
Also zumindest theoretisch.
Die Entfernung war riesig und wir hatten uns gerade erst kennengelernt.
Unser Gedanke war eigentlich ganz einfach:
Wir machen uns ein schönes Wochenende.
Mehr nicht.
Keine großen Pläne.
Keine Zukunftsplanung.
Keine Vorstellung davon, dass daraus einmal die Beziehung meines Lebens werden könnte.
Nur ein schönes Wochenende.
Tja.
Das Leben hatte offensichtlich andere Pläne.
Aus einem Wochenende wurde mehr
Denn dieses Wochenende war einfach großartig.
Die ersten Tage mit Thomas waren unglaublich intensiv.
Es hat von Anfang an irgendwo gepasst.
Nicht perfekt.
Unsere Beziehung hatte natürlich auch ihre Startschwierigkeiten und wir mussten uns erst einmal kennenlernen – nicht mehr nur über den Bildschirm, sondern im echten Leben.
Aber da war etwas.
Etwas, das sich richtig angefühlt hat.
Und aus diesem einen Wochenende wurden Gefühle.
Immer mehr Gefühle.
Und irgendwann war klar:
Das hier war längst nicht mehr nur ein Wochenende.
Wir fanden relativ schnell einen Rhythmus.
Thomas hatte damals immer fünf Tage frei und kam für vier Tage zu mir. Am fünften Tag fuhr er wieder nach Hause.
Und das Ganze ungefähr alle drei Wochen.
Alle drei Wochen kam mein Wolf zu mir.
Mein Wolf
Thomas war damals als Leitwolf unterwegs.
Und deshalb wurde er irgendwann zu meinem Wolf.
Heute sind wir das Wolfspaar.
Das ist nicht einfach nur ein Spitzname oder irgendeine nette Bezeichnung.
Der Wolf ist für uns ein Symbol geworden.
Für unsere Verbindung.
Für das, was wir miteinander aufgebaut haben.
Und deshalb gibt es inzwischen auch mein neues Tattoo.
Es ist ein Teil von mir, der mich immer mit ihm verbinden wird.
Ganz egal, was das Leben noch für uns bereithält:
Diese Geschichte, diese Liebe und das, was wir miteinander erlebt haben, sind ein ganz großer Teil von uns.
Denn Thomas ist mein Mensch.
Er ist meine Liebe.
Und er ist der Mann, den ich mir – vielleicht ohne es damals überhaupt zu wissen – immer gewünscht hatte.
Aus 580 Kilometern wurden irgendwann 850 Kilometer.
Aus einem Chat wurde stundenlanges Videotelefonieren.
Aus einem geplanten Wochenende wurde eine Beziehung.
Aus einem Mann aus dem Internet wurde mein Wolf.
Und aus einer eigentlich völlig unverbindlichen Begegnung wurde die Liebe meines Lebens.

Aber natürlich wäre es langweilig, wenn danach immer alles nur rosarot gewesen wäre.
Denn auch bei uns lief nicht immer alles glatt.
Wir hatten unsere Schwierigkeiten, unsere Herausforderungen und unsere Momente, in denen wir uns fragen mussten, wie es weitergehen soll.
Aber genau davon erzähle ich euch im nächsten Kapitel.