Wie war es eigentlich, in Salzburg aufzuwachsen?
Wenn ich heute daran zurückdenke, dann sind es gar nicht unbedingt die großen Ereignisse, die mir als Erstes einfallen. Es sind die kleinen Geschichten. Ein verlorener Gummistiefel. Aufgeschlagene Knie. Nasse Schuhe. Ein Bäcker an der Bushaltestelle. Ein Kinobesuch mit Freunden. Und ganz viele Dinge, die wir damals einfach gemacht haben, weil sie zu unserer Kindheit gehörten.
Angefangen hat alles in Leopoldskron-Moos
Meine Schulzeit begann in der Volksschule in Leopoldskron-Moos.
Ich habe eigentlich durchwegs schöne Erinnerungen an diese Zeit. Schon der Schulweg gehörte irgendwie zum Abenteuer dazu. Manchmal sind wir zu Fuß gegangen, manchmal mit dem Bus – und wenn es nur eine einzige Station war.
Aber genau auf diesen Wegen haben wir die Natur entdeckt.
Und natürlich haben wir dabei auch Dinge gemacht, die wir vielleicht besser nicht hätten machen sollen. 😄
Im Winter waren zum Beispiel die Gräben gefroren. Und was macht man als Kind, wenn ein Graben gefroren ist?
Natürlich hinein!
Man konnte schließlich wunderbar darin herumgehen. Bis zu dem Moment, als man plötzlich mit einem Gummistiefel weniger dastand.
Ich kam tatsächlich einmal mit nur einem Schuh nach Hause. Die Mutti musste anschließend mit mir wieder zurück, um den verlorenen Gummistiefel zu suchen.
Heute würde man wahrscheinlich sagen: Das hätte auch schiefgehen können.
Damals war es einfach ein Abenteuer.
Dazu kamen aufgeschlagene Knie, nasse Schuhe und die berühmten Ideen, die Kinder eben so haben. Zum Beispiel nach der Schule noch unbedingt durch die Glan zu waten – natürlich mit Schuhen.
Dass die danach nass waren, war ja irgendwie vorhersehbar.
Der Bäcker an der Bushaltestelle
Eine meiner schönen Erinnerungen ist auch der Bäcker an der Bushaltestelle.
Morgens auf dem Weg zur Schule noch schnell etwas Süßes holen – das gehörte irgendwie dazu.
Und diese Tradition hat sich tatsächlich durch meine ganze Schulzeit gezogen.
Volksschule, Hauptschule und später auch die Berufsbildende Schule: Irgendwo gab es immer einen Bäcker, bei dem man sich noch etwas Leckeres besorgen konnte.
Heute würde man wahrscheinlich von einem kleinen Frühstückssnack sprechen.
Für uns war es einfach:
Bäcker. Süßes. Schule.
Und fertig. 😄
Wir hatten sogar unser eigenes Biotop
Eine Sache aus der Volksschule ist mir besonders in Erinnerung geblieben.
Wir haben damals einen Teich ausgehoben und ein kleines Biotop mit Garten angelegt.
Für uns war das großartig.
Wir konnten etwas mit unseren eigenen Händen schaffen, draußen sein, beobachten, ausprobieren und erleben, wie aus einer Idee etwas entsteht.
Heute ist davon leider nichts mehr übrig.
Und manchmal frage ich mich schon, warum solche Dinge immer weniger Platz bekommen. Für uns Kinder war das keine theoretische Unterrichtsstunde. Wir haben dabei etwas erlebt.
Wir haben gelernt, wie Natur funktioniert.
Und vor allem haben wir gelernt, dass man etwas gemeinsam erschaffen kann.
Ich finde, solche Erfahrungen sind eigentlich unbezahlbar.
Von der Volksschule in die Musikhauptschule
Nach der Volksschule ging es für mich in die Musikhauptschule Maxglan 2.
Dort kam auch meine musikalische Seite stärker zum Vorschein.
Angefangen habe ich mit der Blockflöte, später kam die Altflöte dazu und schließlich die Klarinette.
Die Klarinette habe ich allerdings nicht über die Musikschule gelernt, sondern privat.
Schulisch würde ich mich wahrscheinlich als ganz normale, durchschnittliche Schülerin bezeichnen.
Eine Nachprüfung in Englisch hatte ich auch einmal.
Heute kann ich mich trotzdem ziemlich gut auf Englisch verständigen.
Vielleicht ist es tatsächlich wie bei so vielen Dingen im Leben:
Learning by Doing.
Manchmal lernt man eben nicht alles aus einem Schulbuch.
Die HBLA – oder die „KnödelAkademie“
Danach ging es weiter in die HBLA, die Fachschule für wirtschaftliche Frauenberufe.
Umgangssprachlich wurde sie auch gerne Knödel Akademie genannt.
Kochen, Hauswirtschaft und Service nahmen dort einen ziemlich großen Raum ein – und ehrlich gesagt hat mir das damals sogar recht viel Spaß gemacht.
Das Lustige daran ist allerdings:
Das richtige Kochen habe ich eigentlich erst gelernt, als ich ausgezogen bin.
Dann kam nämlich bei ungefähr jedem zweiten Arbeitsschritt der Anruf bei Mutti:
„Du, wie geht das jetzt?“
Oder:
„Mutti, wie mache ich das?“
Und plötzlich war all das, was man in der Schule gelernt hatte, gar nicht mehr so selbstverständlich.
Aber vielleicht gehört auch das zum Erwachsenwerden.
Man zieht aus und stellt fest, dass Mutti doch ziemlich viel wusste.
Freunde kommen und gehen
Natürlich gehören zu einer Jugend auch die Menschen, mit denen man sie erlebt.
Manche Schulfreundschaften bleiben ein Leben lang, andere verlaufen sich. Manche Menschen trifft man nach vielen Jahren wieder, andere bleiben irgendwann nur noch eine Erinnerung.
Eine Freundin, die mir besonders im Gedächtnis geblieben ist, war Miriam.
Wir hatten auch nach der Schule noch Kontakt. Irgendwann verloren wir uns allerdings aus den Augen. Das Leben ging weiter, jeder hatte seine eigenen Wege und seine eigenen Geschichten.
Trotzdem habe ich im Laufe der Jahre immer wieder an sie gedacht.
Ich hatte sogar irgendwann einen Brief geschrieben, weil ich wissen wollte, was aus ihr geworden war.
Vor einigen Wochen erfuhr ich dann, dass Miriam inzwischen verstorben war.
Ich habe anschließend noch ihrer Mutter geschrieben, in der Hoffnung, vielleicht noch etwas über sie zu erfahren. Leider kam auch darauf keine Antwort mehr.
Manche Geschichten bleiben deshalb ohne richtiges Ende.
Vielleicht ist das manchmal auch in Ordnung.
Miriam gehört zu einem Stück meiner Vergangenheit und zu meinen Erinnerungen. Und auch wenn wir uns irgendwann verloren haben, wird sie dort ihren Platz behalten.
Kino, Cola und Pizza
In unserer Freizeit haben wir uns natürlich getroffen, sind in die Stadt gegangen und waren im Kino.
Ich bin schon damals sehr gerne ins Kino gegangen.
Damals gab es in Salzburg noch das Elmo-Kino – mit diesen unglaublich unbequemen Klappstühlen. 😂
Sie waren zwar gepolstert, aber wenn ich mir die heutigen Kinos mit ihren riesigen Sesseln anschaue, dann frage ich mich schon, wie wir das damals eigentlich ausgehalten haben.
Aber das Kino selbst war sowieso nur ein Teil des Erlebnisses.
Vorher auf eine Cola gehen.
Film anschauen.
Und danach vielleicht noch gemeinsam Pizza essen.
Das waren für uns richtig schöne Abende.
Man brauchte gar nicht viel.
Freunde, ein bisschen Zeit, einen Kinofilm, eine Cola und eine Pizza.
Wir waren einfach draußen
Einer meiner Lieblingsplätze war der Salzachsee.
Überhaupt waren wir viel draußen – im Sommer genauso wie im Winter.
Wir waren bei Nachbarn im Garten, trafen uns irgendwo, waren unterwegs oder blieben einfach zu Hause.
Und wir wussten uns zu beschäftigen.
Das klingt heute vielleicht banal, aber ich glaube, genau darin lag etwas Schönes.
Wir hatten nicht ständig ein Handy in der Hand, das uns sagte, was wir als Nächstes machen sollten.
Wir mussten uns selbst etwas überlegen.
Und irgendwie hat das meistens ganz gut funktioniert.
Streiche haben wir, glaube ich, gar nicht so viele gemacht.
Wir waren schließlich recht brave Kinder.
Zumindest erinnere ich mich so daran. 😄
Meine Mutter hätte diese Einschätzung vermutlich etwas anders formuliert.
Musikverein, Feste und mein erster Kuss
Ein großer Teil meiner Jugend war auch mit dem Musikverein verbunden.
Dadurch kamen viele Veranstaltungen dazu: Sommerfeste, Bierzelte, Hochzeiten und andere Feiern, bei denen wir gespielt haben.
Das Vereinsleben war damals ein wichtiger Bestandteil meiner Freizeit.
Und natürlich passierten bei solchen Veranstaltungen auch Dinge, die nichts mit Musik zu tun hatten.
Zum Beispiel gab es beim Musikverein den sogenannten Lumpenball.
Und dort bekam ich meinen – nein, Moment!
Meinen ersten Kuss bekam ich dort gar nicht.
Das wäre nämlich gelogen.
Mein erster Kuss war schon vorher.
Und an den erinnere ich mich tatsächlich noch ziemlich genau.
Mein erster Kuss
Ich war damals schon in der HBLA.
Wir hatten eine Modenschau und führten unsere selbstgenähten Fleecejacken vor. Die Veranstaltung fand an der Naturwissenschaftlichen Fakultät, bei uns einfach „die Navi“ genannt, statt.
Vor der Uni gab es einen Bereich mit einem kleinen Teich beziehungsweise einer Art Wasserbecken und Bänken.
In den Pausen gingen wir hinaus und unterhielten uns.
Dort waren auch ein paar Jungs.
Und mit einem von ihnen habe ich irgendwann einfach angefangen zu knutschen.
Er hieß Eddie.
Den Namen habe ich tatsächlich nicht vergessen.
Und damit war er da – mein erster Kuss.
Der nächste kam dann beim Lumpenball.
Und irgendwann entwickelte sich aus all dem auch mehr.
Bis ich meinen ersten festen Freund hatte, dauerte es allerdings noch ein bisschen.
Aber das ist wieder eine andere Geschichte.
Über Beziehungen und die Männer in meinem Leben erzähle ich ein anderes Mal. 😉
Wenn ich heute zurückblicke …
Wenn ich an meine Jugend in Salzburg zurückdenke, dann war sie eigentlich eine Mischung aus ganz normalen Dingen und kleinen Abenteuern.
Schule.
Freunde.
Musik.
Kino.
Bäcker.
Nasse Schuhe.
Verlorene Gummistiefel.
Erste Küsse.
Feste.
Sommerabende.
Und ganz viel Zeit draußen.
Es war keine spektakuläre Kindheit im Sinne großer Abenteuer.
Aber vielleicht muss sie das auch gar nicht sein.
Denn wenn ich heute zurückblicke, merke ich, wie viele dieser kleinen Dinge geblieben sind.
Manche Menschen sind gegangen.
Manche Orte haben sich verändert.
Manche Dinge gibt es heute überhaupt nicht mehr.
Aber die Erinnerungen sind noch da.
Und vielleicht ist genau das eines der schönsten Geschenke, die einem die eigene Kindheit machen kann:
Sie bleibt ein Teil von einem – ganz egal, wie weit man irgendwann von seiner Heimat entfernt lebt.