Ein bisschen chaotisch, aber ganz gut gelungen
Nach meiner Ausbildung zur Bürokauffrau in der sogenannten „Knödelakademie“ – ja, die hieß wirklich so – nein, eigentlich war es eine Fachschule für wirtschaftliche Frauenberufe – dauerte es nicht allzu lange, bis ich meinen Platz im Berufsleben gefunden hatte.
Mein erster Job führte mich zu einem kleinen Satellitenunternehmen. Und dort hieß es tatsächlich noch: „Fräulein Gruber zum Diktat.“ Ja, liebe jüngere Generation: Ich habe noch Stenografie gelernt. Ich kann also Dinge, die heute vermutlich eher als historische Handwerkskunst durchgehen. 😂 wobei … ob es wirklich noch „kann“ – wohl kaum … dafür ist zuviel Zeit vergangen und man braucht es heutzutage ja nicht mehr wirklich.
Danach ging es zur Post und anschließend ins Krankenhaus. Dort arbeitete ich knapp zwei Jahre in der Küche – genauer gesagt in der Berechnung und Kontrolle der Essensausgabe. Ich wusste also schon damals ziemlich genau, wer wann was auf dem Teller haben sollte. Eine Fähigkeit, die einem im späteren Leben erstaunlich selten irgendwo auf dem Lebenslauf begegnet.
Irgendwann führte mich mein Weg dann in die Salzburger Landesverwaltung. Und dort blieb ich. Nicht drei Monate, nicht drei Jahre, sondern fast 26 Jahre. Immer in der gleichen Abteilung lange umgeben von den gleichen Menschen – und an viele von Ihnen denke ich immer noch gerne zurück.
Meine beruflichen Anfänge waren dabei durchaus… ausbaufähig. Sagen wir es diplomatisch: Urlaubsvorschüsse waren mir anfangs nicht völlig unbekannt und meine Arbeitsmotivation war jetzt auch nicht unbedingt das, was man heute als „High Performance“ bezeichnen würde. 😂
Aber Menschen verändern sich. Und ich habe mich verändert.
Mit den Jahren hat sich meine Einstellung zur Arbeit, zu Verantwortung und auch zu mir selbst ziemlich gewandelt. Aus der jungen Frau, die irgendwann einfach einen Job hatte, wurde eine Frau, die wusste, was sie kann, Verantwortung übernommen hat und ihren Platz im Berufsleben gefunden hat.
Und dann kam das Leben.
Denn das Leben hält sich bekanntlich nur sehr selten an einen vernünftigen Plan.
Zu meinen großen Lebenseinschnitten gehören der Tod meines Lebensgefährten Swen und der meiner Mutter, meine Ehe und meine Scheidung, das Kennenlernen meines geliebten „Wolfs“ und schließlich unser Umzug nach NRW.
Gerade in diesen Zeiten habe ich viel über Menschen gelernt.
Manche Menschen, von denen ich dachte, sie würden bleiben, gingen. Manche sogenannten Freunde wandten sich nach Swens Tod von mir ab, weil ich ihrer Meinung nach mindestens ein Jahr hätte trauern müssen. Tja. Mein Leben, meine Trauer und offenbar auch mein persönlicher Trauerkalender waren für manche Menschen ein ziemliches Ärgernis.
Aber gleichzeitig kamen neue Menschen in mein Leben. Menschen, die geblieben sind. Menschen, die Spuren hinterlassen haben. Menschen, mit denen man lachen, weinen, diskutieren und manchmal wahrscheinlich auch gemeinsam komplett den Verstand verlieren kann.
Zu den Menschen, die mich besonders geprägt haben, gehören ganz sicher meine Mama und meine Oma. Aber auch all die Freunde, die mich über die Jahre begleitet haben. Manche sind irgendwann gegangen, andere sind geblieben – und manche sind sogar über große Entfernungen hinweg geblieben.
Und vielleicht ist genau das eine der wichtigsten Erkenntnisse meines Lebens:
Nicht jeder Mensch, der in dein Leben kommt, ist dafür bestimmt, für immer zu bleiben. Aber jeder hinterlässt etwas.
Was mich heute ausmacht?
Ich bin laut. Ich bin quirlig. Ich bin chaotisch. Ich kann von „Himmel hoch jauchzend“ zu „Tode betrübt“ wechseln, manchmal vermutlich schneller als andere Menschen ihre Kaffeemaschine anschalten können. 😂
Ich bin direkt. Manchmal vielleicht ein bisschen zu direkt. Ich habe Humor – und den brauche ich auch. Und ich gehe auf Menschen zu.
Mit mir kann man Pferde stehlen. Man kann mit mir lachen, man kann mit mir weinen und man kann mit mir über völlig sinnlose Dinge reden, bis plötzlich drei Stunden vergangen sind.
Und ich glaube, genau das ist es, was die Menschen, die mich wirklich kennen, an mir schätzen.
Ich bin nicht perfekt.
War ich nie.
Will ich auch gar nicht sein.
Denn alles, was in meinem Leben passiert ist – das Gute genauso wie das Schlechte – hat mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin.
Früher war alles besser?
Nein.
Früher war vieles anders.
Und vielleicht werde ich irgendwann noch genauer erzählen, was eigentlich alles anders war.
Was ich aber gelernt habe?
Für fast alles gibt es eine Lösung.
Manchmal kommt sie sofort. Manchmal braucht sie Jahre. Manchmal sieht man sie erst, wenn man rückblickend auf das eigene Leben schaut.
Und ich glaube daran, dass nichts ohne Grund geschieht. Dass auch aus den schlimmsten Kapiteln irgendwann etwas entstehen kann, das man vorher niemals erwartet hätte.
Und deshalb bin ich heute vor allem eines:
stolz.
Nicht darauf, dass immer alles perfekt gelaufen wäre.
Sondern darauf, dass ich nach allem, was war, heute genau hier stehe, wo ich bin.
Vielleicht war mein Leben nicht ganz nach Plan.
Aber mal ehrlich:
Wer braucht schon einen perfekten Plan, wenn die Geschichte dadurch viel interessanter wird? ❤️